...dass meine Briefwahlstimme gezählt wurde. Das gilt wohl nicht für jeden hier in der Gegend.
(faszinierend - da liest man keine Lokalpresse und stolpert über sowas dann bei fefe)
Hübsch: Die Piraten sind mit einem Sitz in den Stadtrat eingezogen.
Hier draußen bei mir sind die leider nicht angetreten, aber in der Innenstadt konnte man sie wohl wählen.
Vorhin habe ich meine Briefwahlunterlagen fertig gemacht.
Da muss man ja auf dem Wahlschein versichern, dass man alles ordentlich gemacht hat. Das artet in einen kleines doppelseitiges Formular mit fünf Fußnoten aus (die Stimmzettel sind dagegen deutlich übersichtlicher und einfacher zu verstehen - jeder nur ein Kreuz).
Faszinierend ist folgender Part in der Überschrift des Wahlscheins:
Wahlschein für die Wahl des/der Oberbürgermeisters/Oberbürgermeisterin *)
Weiter unten wird der Sternchentext erklärt: *) Unzutreffendes streichen
Ich gebe mir ja immer Mühe, Formulare ordentlich auszufüllen - aber woher soll ich bitteschön jetzt schon wissen, ob ein Mann oder eine Frau gewählt wird?
Muss man halt nur davon absehen, dass mein Telefon während meiner mehrtägigen Abwesenheit den ersten Anrufversuch um 03:31h (also mitten in der Nacht) registriert hat.
Na ja, beim nächsten Mal wollte ich dann mal abnehmen und denen mitteilen, dass ich natürlich die Piraten wähle, aber wie ich gerade auf deren Homepage sehe, fragen die gar nicht explizit nach der Partei, sondern nur lapidar nach "Sonstige".
Pfui dafür!
NACHTRAG 1:
Allerdings scheinen sie trotz inzwischen acht Anrufversuchen doch nicht so an meiner Stimme interessiert zu sein: Ich ging also ran. Weil ich ja wusste, dass die das sind, meldete ich mich nur mit einem "Hallo?" statt wie sonst meinem Namen. Die Frau am anderen Ende gab ein überrachtes "Hallooo?" zurück und auf mein erneutes "Ja, hallo. Guten Tag!" hat sie dann kommentarlos aufgelegt.
Machen die da Telefonstreiche oder sollen die Leute interviewen?
NACHTRAG 2:
Jetzt waren sie's gerade nochmal. Knapp zehn Minuten lustige Politikfragerunde, irgendwie habe ich keinen der namentlich abgefragten Politiker positiv bewertet (wie auch? Zypries, Schäuble und Konsorten...) und konnte mich mal ein wenig über unser System hier auskotzen :-)
Der "Hallooo?"-Anruf war in deren System übrigens verzeichnet als "wurde abgenommen, war aber nichts zu hören". Hatte deswegen gleich anfangs mal nachgefragt.
Also wohl doch kein Telefonstreich.
So sehr ich dem Artikel beipflichte, dass es keine Gute Sache™ ist, Gesetze undiskutiert durchzuwinken, bin ich doch der Meinung, dass er nur an der Oberfläche kratzt und das Problem tiefer liegt.
Stellen wir uns doch mal vor, man verfügt wieder, dass die Reden wieder gehalten werden müssen.
<Anekdote>
Damals im Ferienlager...
Wenn hinten nicht rauskommt, was rauskommen soll, erhöht man die Qualitätsvorgaben und kontrolliert mehr. Nun denkt man, dann würden alle besser arbeiten. Stattdessen fließt aber einfach mehr Arbeit in das Ausfüllen bzw. Umgehen von Qualitätsreports. Legitime(!) Abweichungen von der Norm verbrauchen Unmengen von Energie, sie als solche bekanntzumachen und zu verfolgen.
Ich betrachte Dinge gerne grenzwertig (so ähnlich wie hier): Nur bei perfekter Qualitätskontrolle kann man sich nicht mehr drumherummogeln, dann bleibt aber auch neben dem Ausfüllen von Reports auch keine Zeit mehr für eigentliche Arbeit.
Das einzige, wodurch sich die Arbeitsleistung verbessern lässt, ist bessere Arbeit.
Da muss man persönlich hinterstehen, das geht nicht mit Qualitätsvorgaben.
So jedenfalls meine Meinung!
</Anekdote>
Aber zurück zum Text.
Wenn die Redner gezwungen werden, die Reden zu halten, ist trotzdem nachts keiner da, der ihnen zuhört oder mit ihnen diskutiert.
Wenn die Redner dazu gezwungen werden, mit jemandem zu diskutieren, dann zieht man tagsüber Streichhölzer, wer abends da sitzen muss und zu jedem Beitrag einmal laut "dagegen!" sagt.
Wenn man andere Vorgaben macht, dann fällt jemand anderem was schlaues ein, wie man die umgeht.
Und wenn wirklich mal was anliegt, was nicht diskutiert werden muss, muss man Regeln umgehen, um das dann so tun zu können.
Ich vermute einfach mal, dass das "zu Protokoll" tatsächlich eine Effizienzsteigerung darstellt. Vorher hat bei den meisten Themen, die jetzt so abgeschoben werden, auch niemand ernsthaft diskutiert.
Das Problem ist also tatsächlich viel schlimmer und liegt tiefer - es interessiert sich einfach niemand wirklich für die Sachen.
Nur da kann man ansetzen, das ganze zu heilen.
Aber wie man das konkret macht, weiß ich leider auch nicht.
Zum Thema "50€ Strafe für Leute, die nicht zur Wahl gehen" fand ich den Vorschlag "Abgeordnete bekommen nur noch so viel Prozent ihrer Diäten ausgezahlt, wie die Wahlbeteiligung betrug" ganz nett. Das wirkt vielleicht dem bei den Parteien zu beobachtenden Radiosender-Problem (je mehr Sender es gibt, um so mehr spielen alle das gleiche) entgegen und es bilden sich mal wieder gegensätzliche Standpunkte heraus, so dass man bei der Wahl auch eine Wahl hat. Und mit unterschiedlichen Parteiprogrammen diskutiert man vielleicht auch wieder über Gesetze vor ihrer Verabschiedung.
Huch, was war das denn?
Ich habe heute Nacht geträumt, dass Jörg Tauss vor der Garagenzeile unserer alten Wohnung einen Vortrag über Kinderpornointernetsperrzensur hält. Dabei könnte ich mir wirklich(!) schöneres(!!) vorstellen, als von fremden Männern zu träumen.
Ich habe ja schon geschrieben, dass mir die aktuellen politischen Vorgänge auf den Puffer gehen, aber dass es mich innerlich dermaßen beschäftigt, hätte ich nicht gedacht... Na ja, vielleicht war es ja nur eine Nachwehe dieses wirklich tollen Kommentars. Ach, wär ich doch in der SPD, dann könnte ich da auch austreten.
Wo ich gerade bei fremden Männern bin: Aktuell habe ich Volker Pispers im Visier. Fefe hat neulich dieses Video von ihm verlinkt und Sven diesen aktuellen Audiokommentar. Das gefällt mir!
Im Tourplan, dass er am 02.10. hier in Münster auftritt. Jetzt muss ich flugs mal ein paar Kollegen organisieren, die da mit hingehen - oder ich geh halt allein :-)
Und ganz toll gefällt mir mein am Lenker angebrachter Fahrradkorb: Da kann man die gekauften Erdbeeren schon während der Fahrt vom Bauern nach Hause mampfen. Heute waren's 2,5kg, dasa erste Pfund habe ich schon als Abendbrot vertilgt :-)
In der Blogosphäre brodelt und kocht es, sogar ich habe mich ja gestern zu einem eingebetteten Video hinreißen lassen. Da ich selber nur wenig Zeit habe, großartige Texte zu verfassen, möchte ich hier auf zwei Texte verweisen, die meiner Meinung nach lesenswert sind - inklusive der dort gesetzten Links.
Ja, Mutti, auch du, nimm dir mal die Zeit :-)
Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf die gestoßen bin, garantiert wieder über fefe.
Eigentlich wollte ich in diesem Blog nicht politisch werden, aber salopp gesagt: es stinkt mir, was da aktuell abgeht. Es ist Wahljahr und vielleicht kann ich mit ein paar Informationen hier meinen eigenen, ganz kleinen Beitrag für eine bessere Welt leisten.
Ich will nicht stumpf jede Meldung bei Fefe abschreiben (hier nochmal nochmal die Aufforderung, sein Blog regelmäßig zu besuchen!), aber die dicksten Hauer und gelegentliche Eigengedanken werden folgen.
So, nun ist's passiert. Gesperrtes Internet in Deutschland. Faszinierend übrigens, dass bei uns im Lokalradio zwar was über die Demonstrationen im Iran kommt, aber nichts zu den Protestkundgebungen gegen das Zensurgesetz.
Und wem wegen dem ganzen Krams noch nicht übel genug ist, der liest noch diese Presseerklärung. Ganz hervorragend, wie da Interessen oder Rechte von "Nutzern" und "Bürgern" ganz ausdrücklich gar nicht erwähnt werden.
Wenn das nicht auf einem Server bei bund.de läge, würde ich die Pressemeldung für bitterböse giftspritzende Satire halten. Aber das meint wohl tatsächlich jemand ernst.
Weitere Linkorgien spare ich mir, man stolpert ja an allen Ecken und Enden über Meldungen zum Thema...
Kalt war's. Verdammt kalt. Alle im Wahlraum (die Aula der Schule gegenüber) haben das als Minuspunkt ins Protokoll geschrieben. Fast jeder saß eingemummelt in seine Jacke da. Und wer mich kennt (Ganzjahreskurzärmeltrager), der weiß, dass ich selten von "kalt" rede. Und ich habe einen Pullover ausgepackt!
Ansonsten war's recht öde. Aufgrund der wahnsinnigen Wahlbeteiligung (irgendwas um die 40%) und unseres kleinen Wahlkreises war nicht wirklich viel zu tun. 241 Stimmabgaben in 10 Stunden, das sind ca. alle zweieinhalb Minuten ein Leut. Wobei am Nachmittag (meine Schicht) wohl doppelt so viel los war wie am Vormittag. Die Zeit ging rum, aber los war halt nicht viel. Kenn ich ja von THW-Übungen, wenn man rumsitzt, statt richtig was zu tun.
Großer Vorteil der kleinen Beteiligung: Das Auszählen ging entsprechend schnell - 7 Leute gegen 241 Zettel, das geht fix. Und gepasst hat auch alles. Um 18:30h stand das vorläufige Ergebnis, dann noch Zettelkrams und um 18:42h ging's nach Hause. Die anderen beiden Wahlbezirke waren da noch am zählen - die waren aber auch deutlich besser besucht als wir.
Da wir zu viert waren, mussten wir uns irgendwie verteilen. Meine Primäraufgabe war es, zu sagen, dass man den Stimmzettel noch einmal extra falten muss (was manche Leute dann doch überfordert hat...). Unsere Wahlurne hatte nämlich einen kleineren Schlitz als die Wahlurnen der anderen in unserem Raum! (Fürs Protokoll: Ich habe dabei durchaus öfter die grammatikalisch nicht korrekte Form "das ist so weil der Zettel ist so riesig" benutzt.) Außerdem habe ich, jeweils nach Abnicken durch den Schriftführer, die Pappe von der Wahlurne entfernt, so dass ein ausgefüllter Stimmzettel eingeworfen werden konnte.
Und ganz manchmal kam jemand, der seinen Wahlbezirk nicht wusste, dann durfte ich das Straßenregister bedienen (aufblättern, Straße suchen, Zahl sagen)!
Bemerkenswertes? Eigentlich nichts. Ein Begleitkind auf einem Rutscherauto, eins auf dem Roller, mehrere Leute auf Rollerblades, ein Herr kam sogar mit dem Fahrrad bis in den Wahlraum, außerdem mehrere Hunde. Eine Frau, die lachend anmerkte, dass der 94,5cm lange Wahlzettel größer sei als ihr Kind, das sie an der Hand hatte.
Es gibt schon vorläufige Ergebnisse - ich war Bezirk 235 und die Zahlen da sind die, die wir aufgeschrieben haben. Das System funktioniert also!
Generell ist der Wahlvorgang gleichzeitig einfach, durchschaubar und doch sicher. Erstmal haben wir geguckt, ob die Leute im richtigen Wahlbezirk sind, dann haben sie ihren Stimmzettel bekommen und erst nach Prüfung und Abhaken im Wahlregister durften sie ihn in die Urne einwerfen. Da wählt keiner doppelt und da wählt auch keiner, der nicht wählen darf. Auch das Auszählen war einfach durchführbar, verständlich und nachvollziehbar - trotz der 31 möglichen Parteien.
(Ich kann mir jetzt nicht verkneifen, dass das bei Wahlcomputereinsatz natürlich alles wegfiele!)
Nachgedanke: Warum weisen "den Gang rauf" und "den Gang runter" eigentlich in die gleiche Richtung?