Da ist man über Weihnachten mal fünf Tage, kommt zurück nach Münster und erkennt die Stadt nicht wieder: Die Straßen sind geräumt! Der ominöse Krisenstab, von dem Anfang letzter Woche geredet wurde, ist da wohl in einer Nacht- und Nebelaktion richtig aktiv geworden.
Klar, es gibt teilweise noch leichte Parkplatzprobleme (20cm jungfräulicher Schnee machen manche Stellplätze leicht unbefahrbar), die Straßen sind etwas eng (die Berge links und rechts ragen in die Fahrbahn), bei selten benutzten Fahrtrichtungen an Kreuzungen muss man etwas aufpassen (z.B. eine Verkehrsinsel, die sich als 1m hoher Schneehaufen in den Kreuzungsbereich fortsetzt - hier lieber nicht geradeaus fahren) und manche Fußwege muss man meiden (die sind ebenfalls noch komplett jungfräulich) - oder ein schön geräumter Fahrradweg führt an der nächsten Kreuzung nicht auf die Fahrbahn, sondern in einen dicken Schneeberg.
Aber: Man kann wieder fahren! 5 Minuten früher los und alles ist ok. Straßen frei, geräumt, gestreut, Busse kommen wohl auch wieder durch und sind pünktlich.
Ganz normaler Winter wie in anderen Städten auch.
Wie es dazu wohl gekommen ist? Man munkelt, dass die Versicherungen die diversen Auffahrunfälle nicht selber bezahlen wollten, und die Schäden stattdessen bei der Stadt anmeldeten, die ja nicht geräumt hatte. Vermutlich haben die Rechenkünstler, die die letzten Jahre gesagt haben "Chef, sparen wir doch am Winterdienst, das merkt eh keiner, schauen Sie mal raus, es ist Sommer", jetzt festgestellt "Oh Chef, mit den ganzen Schadensforderungen, das wird teuer. Da können wir ja auch gleich die Straßen räumen!"
Könnt ich mir vorstellen, aber wie gesagt, ich war ja außer Landes und hab nichts mitbekommen.
Auch bei uns auf der Arbeit gibt es interessantes zu entdecken (da ist ebenfalls schön geräumt, aber das schon zuverlässig seit den ersten Flocken): Der große Schnee-Sammelberg ist höher als ich, eine selten benutzte Treppe sieht aus wie eine Skipiste (da ist von den Stufen nichts mehr zu sehen, nur noch eine durchgehende Schräge) und auf den leicht schrägen Dächern über den Fahrradständern bilden sich große Gletscher, die sich langsam und unaufhaltsam (aber ohne abzubrechen) Richtung Fußboden bewegen.
Nette Details, sehr schön anzusehen alles.
Nur einen Schneemann habe ich immer noch nicht gebaut!