Paprika ist das aktuelle Werk von Satoshi Kon und hatte auf dem diesjährigen
CineAsia-Filmfestival seine Deutschlandpremiere. Und die
Reise nach Köln hat sich gelohnt:
Wer die Vorgängerfilme schon
Perfect Blue und
Millenium Actress kennt (ja,
Tokyo Godfathers ist auch genial, aber der hat einen anderen Stil), der weiß, was auf ihn zukommt: Eine optische und inhaltliche Vermischung von realer und imaginärer Welt. Diesmal geht es darum, sich in die Träume anderer Menschen einklinken zu können. Was aus der Idee "wäre es nicht schön, den Traum eines Freundes mitzuerleben?" entsprang und eigentlich zu psychologisch-medizinischen Therapiezwecken benutzt werden sollte, gerät wie zu erwarten außer Kontrolle.
Die Vermischung Traumwelt/Realität wird diesmal sogar auf eine Meta-Ebene getrieben: Im Film läuft in einer virtuellen Bar ein Film, dessen Protagonisten durch eine Rückblende ihrer eigenen Vergangenheit laufen. Das hat schon was :-)
Optisch macht
Paprika eine Menge her. Nahtlos sind Traumwelt und Wirklichkeit miteinander verwoben - das geht im Anime natürlich besonders gut. Am schönsten finde ich die gelungene Integration von 3D-Objekten in die Zeichnungen: sie stören nicht. Das ist ja ein Punkt bzw. eine zukünftige Entwicklung, vor der ich ein wenig Angst habe: den Trailer zu
Appleseed 2 finde ich zum Beispiel ob des 3D-Einsatzen vollkommen gruselig). Wenn die allgemeine Entwicklung aber in die Richtung von
Paprika geht, ist alles ok.
Die Story lässt einem wenig Zeit für Verschnaufpausen und zwingt einen dazu, aufzupassen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Die Kernaussage(?) ist geschickt platziert: Darf man Träume technisieren? Oder sollten sie ein letztes unangetastetes Refugium der Menschen bleiben? Einfach nur zurücklehnen ist nicht, man muss schon ein wenig mitdenken - so schlimm, dass man den Film gleich 2x gucken muss, um ihn überhaupt zu verstehen, ist es aber nicht. Am einfachsten lässt sich der Film meiner Meinung nach mit einer zeitlich sehr ausgedehnten Achterbahnfahrt vergleichen: Man steigt ein und dann geht es rund. Bis zum Ende ist man durchgängig beschäftigt und dann steigt man aus und denkt: Boah, das war gut!
Mir fiel übrigens auf, dass sich die allgemeine Handlung, die Umgebung und einzelne Szenen wunderbar dafür eignen würden, sie in ein
Half Life-ähnliches Spiel zu verfrachten. Müsste man nur sehen, wie man das ganze spielbar bekommt, denn Ballerei passt da nicht unbedingt und Jump&Run muss auch nicht sein.
Sobald die US-DVD erscheint, werde ich sie mir zulegen. Der Film hat von mir nicht umsonst 5 von 5 Punkten in der Publikumswertung des Festivals erhalten.